Entwicklungszeit Foma100R Adox Scala

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Guten Tag allesamt,
Ich habe mir vor kurzem das Scala Kit mit ein paar Rollen Scala 50 und Foma 100R bestellt. Nachdem mein erster Versuch mit dem Scala 50 ein voller Erfolg war, will ich mich nun an den 100R wagen. Da die Entwicklung sehr teuer ist und ich natürlich auch keinen Film verschwenden möchte, wollte ich in die Runde fragen ob jemand gute Entwicklungszeiten und Bleichzeiten für den Foma 100R kennt oder mir Hinweise geben kann, wie diese zu ermitteln sind.

Liebe Grüße
Leider kenne ich den Scala-Entwicklersatz nicht aus eigener Erfahrung.

Aber beim Ermitteln unbekannter Erstentwicklungszeiten im "konventionellen" Verfahren mit seinen fünf bis sechs Bädern (Dokumol als Entwickler, mein Haupt-Film ist Fomapan R100) habe ich versucht, mich erst mal an bekannten Werten für den betreffenden Film in anderen Entwicklern zu orientieren und daraus auf passende Zeiten zu schließen.

Also Praxisbeispiel: Für zwei alte (vor über 14 Jahren abgelaufene) Agfapan APX100 aus meinem Eisfach habe ich alte Zeitangaben für den APX100 aus der Anleitung des Tetenal-Satzes mit den dortigen Zeiten für Plus-X-Plan verglichen. 
Ggf. auch noch die Tabelle für den Foma-Entwicklersatz hinzugezogen. 
Dann im nächsten Schritt die Plus-X-Pan-Zeit für "meinen" heutigen Erstentwickler aus einer Tabelle genommen und daraus eine Zeit für den APX 100 hergeleitet.

Grobe Eselsbrücke: Der Tetenal-Erstentwickler war beim Plus-X-Pan ungefähr doppelt so schnell wie mein heutiger Entwickler. Also habe ich auch die Tetenal-Zeit für den Agfapan ungefähr verdoppelt.

Volltreffer Thumbs-up . Die beiden 2009 abgelaufenen APX 100 sind bestens geraten. 
(Anmerkung: Mit dem heutigen APX100 soll die Umkehrentwicklung nicht mehr zu brauchbaren Ergebnissen führen.)

Natürlich muß man dabei die Filmempfindlichkeiten berücksichtigen: Der alte APX100 sollte bei Entwicklung im Tetenal-Satz nach ISO200/24DIN belichtet werden.

Zugegeben: das Ganze ist eine Schrotflintenmethode - aber ich wußte auch nichts Besseres.

Zweites Beispiel, diesmal wegen der dünnen Datenbasis sozusagen über Bande gespielt: Ich wollte die Umkehr-Erstentwicklngszeit für Rollei-Infrarotfilm ISO400/27DIN herausfinden. Das ist bekanntlich ein Negativfilm.
Als "Referenzfilm" diente Plus-X-Pan:
In "meinem" Entwickler müßte Plus-X-Pan für die Umkehrentwicklung 7 Minuten baden.
In D-76 bräuchte er für die Negativentwicklung etwa 6 Minuten.
In D-76 bräuchte der Rollei-Infrarot 10 Minuten 50 Sekunden.
Also habe ich geschlossen. daß der Rollei-Infrarot in "meinem" Erstentwickler um die 12 Minuten 40 Sekunden bräuchte.
Als Richtwert haben sich dann auch 12 Minuten tatsächlich bewährt.
Wobei man bei Infrarotfilm ums Testen nicht herumkommt: Mit 720nm-Filter ergibt sich ein Verlängerungsfaktor von etwa 40 - bei wichtigen Motiven mache ich da aber immer eine Belichtungsreihe.
Die ersten Testfilme hatte ich dabei irrtümlich um ein bis zwei Blenden überbelichtet. Dort lag die passende Erstentwicklungszeit dann eher bei 9 bis 9 1/2 Minuten.

Um nach dieser Methode auf den Kandidaten Fomapan 100R im Adox-Scala-Satz zurückzukommen: 
Der einzige Prozeß, zu dem ich Zahlen zu beiden Filmen finde, ist derjenige nach Klaus Wehner: wurde vor Jahren hier schon im Forum behandelt. Vielleicht hilft dir das weiter. 
Wohlgemerkt: Temperatur dort 22 Grad!
Adox Scala 160 braucht nach Wehner 19 Minuten für die Nennempfindlichkeit, 22 Minuten für ISO200/24DIN.
Fomapan R100 nach ISO200/24DIN braucht 11 Minuten 30 Sekunden. Also gut halbsolang bei gleicher Empfindlichkeit.
Im Adox-Scala-Prozeß finde ich für den Adox Scala 160 bei 24 (!) Grad 8 Minuten.
Dann könnte man es mit dem Fomapan bei 24 Grad mit gerade mal etwas mehr als 4 Minuten probieren.
Aber: 24 Grad würde ich dem Fomapan nur testweise zumuten. Folglich würde ich mich auf die früher in Ilford-Anleitungen enthaltenen Temperatur/Entwicklungszeit-Kurven stützen, die Prozeßtemperatur auf 20 Grad senken und die Erstentwicklungszeit entsprechend verlängern.
Letzter Schritt: Die bislang kalkulierte Zeit galt für ISO200/24DIN. Für ISO100/21DIN Nennempfindlichkeit würde ich die Zeit etwas verkürzen. Richtwert, gefolgert aus bekannten Zeiten für "meinen" Prozeß, wäre ein gutes Viertel kürzer.

Am besten nimmt man einen Filmschnipsel mit einer Belichtungsreihe aus vielleicht fünf, sechs Aufnahmen eines in den Kontrasten unproblematischen Motivs. Ich würde in ganzen Blendenschritten von zwei Blenden unter- bis zwei Blenden überbelichten.

Zum Thema Bleichbad:

Beim Kaliumpermanganat-Bleichbad habe ich nach einigen Pannen begonnen, sofort nach dem Abgießen den Film aus der Dose zu holen und zu überprüfen. Er sollte zitronengelb sein. 
Ausdrücklich: Es dürfen keine stuhlgangfarb... äh fies-schwarzbraunen Stellen mehr zu sehen sein.
Sind doch noch welche da - keine Panik! Man könnte dann noch ein paar Minuten das Bleichen fortsetzen - und in der Versuchsphase würde ich das auch erst mal probieren.

Oft aber ist das Bleichbad verbraucht. Dann Film zurück in die Dose, in Ruhe neues Bleichbad ansetzen und noch mal vier, fünf Minuten bleichen. Damit war bislang alles in den Griff zu kriegen, und es konnte mit dem Härtebad und Klärbad weitergehen.

Für den ersten Versuch mit dem Fomapan R100 würde ich vielleicht mit der Zeit für den Adox Scala 50 beginnen: 4 Minuten, wenn ich richtig sehe. 
Wenn das bei der Überprüfung nicht gereicht hat, siehe oben: vielleicht zwei Minuten verlängern.

Am Rande: Man kann lesen, daß es chemisch kaum möglich sei, zu lange zu bleichen. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Allerdings würde ich die Bleich-Zeit auf ein Minimum beschränken, wenn ich es mit einer empfindlichen Emulsion zu tun habe.
Der Rollei-Infrarot-Film ist so ein Kandidat: Der muß wie ein rohes Ei behandelt werden - sonst löst sich die Schicht ab Flushed-face . Vorsichtig wässern und bewegen und eben nicht zu lange bleichen.

Daß Permanganat-Bleichbad am Ende ist, merkt man spätestens bei der Wässerung danach: wenn die Rosafärbung des aus der Dose abgegossenen Wassers merklich früher zu verschwinden beginnt als bei frischem Bleichbad.
In meiner Praxis (Jobo-Tank 1510, etwa 230 ml Flüssigkeit bei während der Bäder per Hand permanent gedrehter Dose) ist sie bei frischem Bleichbad nach der zweiten Wässerungs-Dosenfüllung (jeweils 10x kippen) immer noch schwach zu sehen. Bei verbrauchtem Bleichbad da schon komplett verschwunden.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: Gestern, 01:35 PM von ExaktaContaxII. Bearbeitungsgrund: Leerzeilen rausgenommen, Infrarot-Beispiel und Rechenbeispiel ergänzt )



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